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Sturm und Drang

von Maximilian Klinger

Kunstfest Weimar 1998

Regie: Annegret Hahn

Dramaturgie: Christoph Kaldonek

Bühne und Kostüme: Klemens Kühn

Kostümassistenz: Silja Landsberg

Perücken und Maske: Cecile Kretschmar

Licht: Falk Hampel

Darsteller: Joseph Bilous, Moritz Sostmann, Heike Irmert, Rosa Enskat, Rolf Kanies, Klaus Birkefeld, Beate Rademacher, Sylvia Barth

Welchem Kunstfreund wäre nicht bekannt, daß mit "Sturm und Drang" die Periode von Literatur und Theater bezeichnet wird, in der sich die "jungen Wilden" der siebziger Jahre des 18. Jahrhunderts der Regeldetri des französischen Klassizismus entzogen und ihr "Genie" gegen die "polierte Welt" des Feudalismus in großem Gefühlskult zur Geltung brachten. Aber wer weiß schon, daß "Sturm und Drang" der Titel eines Schauspiels von Friedrich Maximilian Klinger aus dem Jahr 1776 war?

Es gereicht dem Kunstfest Weimar 1998 zur Ehre, daß es gerade dieses Stück unter der Regie von Annegret Hahn wieder ausgegraben hat und damit daran erinnern hilft, daß die Klassik eine Vorgeschichte hatte, deren "Zeitgeist" einer heutigen Generation viel näher steht als die abgeklärte Erhabenheit der "Klassik" selbst.

Annegret Hahn hat dafür den richtigen Stil gefunden: eine Mischung aus gestischer Auffälligmachung à la Brecht, dem Pathos der Schaubude, dem Spaß einer Harlekinade. Das in diesem unmöglichen schwarzen Kubus an der Ilm auf der spitzwinkligen Bühne zuwege gebracht zu haben, ist allein schon ein Kunst-Stück. Klemens Kühn kommt ohne jede Requisite aus. Der weiße Bühnenboden ist wie ein Schiffsbug nach hinten hochgezogen und hat vorne eine Vertiefung, in die die Figuren fallen oder aus ihr auftauchen können. Die Masken und Kostüme sind von clowneskem Zuschnitt. Besonders Rolf Kanies als La Feu wirkt wie eine Guildo-Horn-Karikatur. Exzentrik ist die eine, choreographierte Stilisierung die andere Form des körpersprachlichen Ausdrucks. Entwicklung ist nicht drin, nur Variation. Klaus Birkefeld stellt den würdigen Berkeley dar, wie es dem traditionellen père de famille entspricht. Von den "Weibern" ist Jenny in der Darstellung durch Heike Irmert die resolute Liebhaberin, Luise in der Darstellung durch Beate Rademacher die Halbgöre, die den trägen Blasius (Klaus Hänscheid) sicher bald hörnen wird, und Sylvis Barth die anpassende alte Jungfer, die es noch einmal juckt. Die "harten Jungs" sind Josef Bilous als Wild bzw. als Bushy-Sohn Carl, und Moritz Sostmann als "wilder Kapitän" alias Harry Berkeley. Rosa Enskat spielt den Schiffsjungen als Picasso-Clown. So "wunderbar" wie die Entwirrung, die Klinger für seinen "Wirrwarr" fand, ist insgesamt die Wiederentdeckung des "Sturm und Drang". Die Neuinszenierung eines Stückes, das einmal einer ganzen Epoche den Namen gab, wurde ein schließlich bejubelter Erfolg. (BZ Juni 1998)

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