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FAUST 1

von Johann Wolfgang Goethe

Thalia Theater Halle 2005

Regie: Annegret Hahn

Bühne und Kostüme: Klemens Kühn

Genau so alt ist auch Nico Ehl, der Faust in der Thalia-Inszenierung des ersten Teils von Goethes Trauerspiel, die am Mittwoch im Volkspark Premiere hat. Demnach ist dieser offenbar gerade dem Jungbrunnen entstiegene Faust keineswegs eine Notbesetzung, schon gar kein "Fäustchen" und auch kein schlichter Werbe-Gag, um die Romanze des Gelehrten mit Gretchen und dem Teufel unter die hallesche Jugend zu bringen. Vielmehr liegt der Produktion eine Analyse zugrunde, die etwas mit den Veränderungen in den Altersstrukturen zu tun hat.

 "Das faustische Problem", so Thalia-Intendantin Annegret Hahn, die Regie führt, "kommt ja heute schon ab Mitte 20 auf die Leute zu." Komplett ausgebildete Akademiker oder andere Fachleute müssen sich fragen, wozu sie denn das alles gelernt haben und was sie überhaupt noch wo in der Welt mit ihrem Wissen anfangen können. Und so schickt Annegret Hahn einen Faust auf die Bühne, mit dem sich sein Publikum wohl ausnahmsweise wird identifizieren können.

Nach nun schon bewährtem Thalia-Brauch soll er sein Publikum buchstäblich mit auf jene Reise nehmen, die im deutschen Nationaldrama bekanntlich "vom Himmel durch die Welt zur Hölle führt". Dafür ist der Volkspark gerade groß genug. Viermal werden Publikum und Bühne umziehen und - so viel sei hier schon verraten: Im Thalia-Faust wird nicht um Erkenntnis gerungen, sondern geboxt.

Dass dabei durchaus nicht alles mit rechten Dingen zugeht, wird seit dem Fußball-Wettskandal keinen mehr wundern. Auch der Junior-Faust hat es nämlich nicht nur mit einem Gegenspieler zu tun. Mephisto - "der Geist der stets verneint" - ist hier nicht, wie üblich, in einer Person vereint. "Das, was jemanden so herunterzieht", sagt Regisseurin Hahn, komme ja eigentlich immer aus einer Gruppe.

Und folgerichtig lässt sie ihren Faust dann auch von einem Mephisto-Duo - bestehend aus Markus Schönen und Berndt Stichler - in jeder erdenklichen Weise piesacken. Dass sie dies - in Maßen - auch in Goethes Versmaßen tun, wird die Inszenierung auch für Schulen nützlich machen. Und dass das Spiel mit dem Klassiker sonst eher Revue-Charakter hat, dürfte das Bildungspflichtstück auch noch sicher in die Erfolgsspur führen.

Faust 1Faust 1

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